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  • Franziska Mäge

IM INTERVIEW - Boris Herrmann

Vom Opti am Zwischenahner Meer bei Oldenburg zu Deutschlands erfolgreichsten Solo-Segler der Vendée Globe. Im Alter von sechs Jahren hat Boris mit seinem Vater auf einem kleinen Boot angefangen zu segeln, zuerst nur zum Spaß. Während seiner Studienzeit macht Boris ernst und segelt 49er sowie 505er, wobei er bei den 505er Weltmeisterschaften zweimal unter die ersten Zehn kam. Noch nie hat ein deutscher Segler so sehr inspiriert und noch nie haben hunderttausende Menschen eine Regatta, wie die Vendée Globe, so gespannt mitverfolgt - Boris Herrmann ist als Underdog in das Rennen um die Welt gestartet und als Legende zurückgekehrt. Dabei konnte er sich immer auf seine Ausrüstung und Unterstützer verlassen. Seit 2001 ist Boris Herrmann Teil der Frisch Familie, damals war er 21 Jahre jung. Mittlerweile versorgen wir Boris und das gesamte Team Malizia mit Teambekleidung und Ausrüstung.

Credits: Andreas Lindlahr

Mit dem 5. Platz bei der Vendée Globe hast du ein sensationelles Ergebnis erreicht. Selbst Platz 1 war möglich, wir haben uns wie in einem Traum gefühlt. Wie erging es Dir in den spannenden Stunden vor dem Ende? In den Stunden vor dem Ende hatte ich nur den Zieleinlauf vor Augen. Ich war mit meiner Platzierung äußerst zufrieden und der Crash kurz vor dem Ende hat mir gezeigt, wie froh und dankbar ich sein kann, dass ich alles heil überstanden habe. Als Team haben wir unsere fünf Ziele erreicht. Erstens, bei der Regatta eine Rolle spielen und unter die ersten zehn Boote kommen. Zweitens, mit dem Schiff wertvolle Co2 Daten und Informationen sammeln. Drittens, wichtige Arbeit für den Klimaschutz und den Schutz der Meere leisten. Viertens, Schulkinder inspirieren umweltbewusster zu handeln und fünftens schließlich die Öffentlichkeit auf das Abenteuer Solo-Weltumsegelung mitnehmen und teilhaben lassen. Diese fünf Ziele waren eine mentale Rückversicherung, die mir Zuversicht und Kraft geschenkt haben.


Hypothese: Du hättest im ersten Anlauf die Vendée Globe gewonnen, wärst damit der erste Nicht-französische Gewinner gewesen: Hättest Du Deine Karriere an den Nagel gehängt und aufgehört, wenn es am schönsten ist? Ich habe Bekannte gebeten mich nach der Vendée Globe daran zu erinnern, dass ich diese Regatta nie wieder segeln will. Aber nach der Regatta ist alles anders und ich möchte das Offshore-Segeln langfristig betreiben. Ich blicke mit einem lachenden und weinenden Auge zurück. Man muss realistisch sein... auf den letzten Meilen vor dem Ziel lag ich auf dem zweiten Platz. Sich von dem Zweitplatzierten auf den ersten Platz zu verbessern ist schwierig. Außerdem blieb es ein spannendes Rennen bis alle Teilnehmer im Ziel waren, da die Zeitgutschriften wegen der Suchaktion erst am Ende angerechnet wurden. Zum Schluss waren Teilnehmer ohne Foils sehr weit vorne, was gezeigt hat, dass wir noch viel an unseren Booten und den Foils arbeiten müssen. Wir sind leidenschaftliche Regattasegler, die diesen Sport unheimlich gerne ausüben und für die Entwicklung arbeiten. Wir optimieren unsere Boote stetig und die Faszination für den Sport ist ungebrochen. Deswegen nehme ich den fünften Platz sehr gelassen.


Was war die größte Herausforderung während der Vendée Globe – mental und physisch gesehen während dem Rennen? Mental: Der Stress, der dadurch ausgelöst wird, dass man unbedingt ankommen will und vor allem auch mit einer guten Platzierung ankommen will. Das bedeutet, wenn man auf Nummer sicher segelt, fährt man keinen guten Platz ein. Wenn man auf Vollgas und Attacke setzt, wie Alex Thomsen, dann leidet das Schiff und es geht vielleicht etwas kaputt und muss im schlimmsten Fall aufgeben. Die richtige Balance dafür zu finden ist unheimlich schwer und anstrengend. Es ist eine riesige Herausforderung diese Regatta zu segeln und man muss festhalten, dass es 50% der Segler nicht geschafft haben. Physisch: Es gibt keinerlei Entspannung auf dem Boot. Während der Regatta möchte man nichts falsch machen, das Boot braucht Einen: Segel verkleinern, Foils trimmen, Kurs ändern. Als ich zuhause angekommen bin, fiel dieser Stress ab und ich bin in einen Tiefschlaf gefallen.


Wie bist Du mit diesen Herausforderungen umgegangen? Der mentale und physische Stress vermischt sich irgendwann. Um mich wieder runterzuholen und Kraft zu tanken, habe ich mit der Familie und Freunden Kontakt aufgenommen. Die Videos von unterwegs, haben mir ebenso geholfen diese Herausforderungen zu bewältigen.


Was verbindet Dich mit der Marke MUSTO?

MUSTO steht für kompromisslose Qualität in der Segelbekleidung. Das war schon immer so, seit den Anfängen des Unternehmens. Ich war bei der Vorbereitung der letzten Vendée Globe sehr perfektionistisch, denn ich wollte die Möglichkeit eines vermeidbaren Ausfalls während des Rennens ausschließen. Es war großartig zu wissen, dass ich mir schonmal keine Sorgen um meine Kleidung auf dem Boot machen musste, um sicherzugehen, dass ich immer warm und trocken sein würde - das ist es, was MUSTO für mich bedeutet.


Was ist Dein Lieblingsprodukt von MUSTO und für welche Witterung nutzt Du das Produkt? Mein Lieblingsstück von MUSTO ist die GORE-TEX® Midlayer-Salopette, weil ich sie so vielseitig gebrauchen kann. Ich benutze die Midlayer-Salopette häufig beim Segeln meiner IMOCA60 im Solo- oder Shorthand-Modus. Regelmäßig muss ich von der Koje direkt an das Pedestal oder die Pinne springen können. Die Midlayer sind sehr bequem und warm, wenn ich in der Koje liege, aber da sie wasserdicht sind, halten sie mich auch vor Spritzwasser trocken, wenn ich schnell aufspringen muss, wie in diesen Momenten.


Wenn Du zurückblickst auf die Vorbereitungen, was war die größte Herausforderung? Ganz klar Sponsoren und das Geld zu finden, das hat viele Jahre gedauert. Wir haben Glück gehabt, weil wir recht früh in diesem Zyklus ein Schiff zur Verfügung hatten. Dadurch konnten wir sehr viel segeln und ich habe das Boot sehr gut kennengelernt, was dazu beigetragen hat, dass ich das Boot sicher um die Welt segeln konnte - bis zum Crash am Ende. Wir hatten nahezu keine Probleme, lediglich bei der Fock ist der Reißverschluss gerissen, am Hydrogenerator hat die Halterung bei hohen Geschwindigkeiten nicht standgehalten, am Motorkeilriemen ist ein Bolzen abgebrochen – alles in allem waren das Schönheitsfehler. Das Schiff war in einem perfekten Zustand, technisch gesehen war das ein Riesenerfolg.


Was macht Deiner Meinung nach einen guten Segler aus? Das Segeln hat einfach wahnsinnig viele verschiedene Facetten und Disziplinen und diese suchen verschiedene Persönlichkeitsprofile. Segeln muss überhaupt kein körperlicher Sport sein, da es auf viel mehr ankommt. Zum Beispiel das Kopf-Sport-Management, die Finanzierung hinter dem Sport, die Mannschaft aufzustellen, das Schiff um die Welt bringen, Verständnis für die Technik haben. Ich hätte keine Lust nur ins Fitnessstudio zu gehen und zu trainieren, mir machen die verschiedenen Anforderungen Spaß, andere stört das.

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