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  • Franziska Mäge

INTERVIEW PART II - BORIS HERRMANN

Nach 80 Tagen, 14 Stunden und 59 Minuten überquerte Boris Herrmann in seinem unverkennbaren MUSTO HPX Smock die Ziellinie der Vendée Globe. Boris hat die Gewalt der Elemente und Faszination des Hochseesegelns generationsübergreifend von Alt bis Jung und Groß bis Klein berührend und mitreißend von Bord dokumentiert. Mit Leidenschaft, Herzblut und Sympathie hat Boris nicht nur das Herz der Segelgemeinde höherschlagen lassen, sondern auch vielen jungen und ambitionierten Nachwuchsseglern einen Weg aufgezeigt, ihre Träume und Ziele im Segelsport zu verwirklichen. Im zweiten Teil unseres Interviews gibt er uns persönliche Einblicke über seinen Weg an die Spitze und den Stand der Vorbereitungen zum Ocean Race im Dezember 2022.

Credits: Andreas Lindlahr

Wie bist du so weit gekommen und was ist dein Geheimrezept? Die Familie war ganz wichtig, weil sie mich stabilisiert und mir Kraft gibt. Man braucht eine Mischung aus Wurzeln und Flügeln – für mich war es wichtig in Hamburg sesshaft zu sein und langfristig ein lokales Netzwerk mit meinen Unterstützern aufzubauen. Ich habe nur aus der Tasche gelebt, deswegen war Hamburg als Basis wichtig, um dem Ganzen eine Identität zu geben und vor allem ein Zuhause. Mein Tipp: Als Unternehmer bist du immer dein eigener Glückes Schmied. Meiner Meinung nach funktioniert es nicht, wenn man nur im olympischen Team segelt und alles bezahlt bekommt – werdet selbst aktiv! Man muss ein Netzwerk aufbauen, auf die Jagd gehen, zum „Fischen“. Die Verbandsstruktur bei den Olympioniken ist sehr stark, aber die Kompetenzen fehlen den Seglern oft, um den Sprung raus, in den Profisport zu schaffen.


Woran kannst Du persönlich arbeiten, um ein noch besserer Segler zu werden? Ich kann den Fokus auf den Sieg legen. Während der letzten Vendée Globe war das noch nicht gegeben. Ich war innerlich noch nicht bereit dafür, die Möglichkeit einzuräumen, dass wir um den Sieg mitsegeln. Wir können den Fokus auf die letzten 2% legen. Ich kann an meinem Siegeswillen arbeiten und daran, noch extremer zu pushen – wobei ich nicht weiß, ob ich diese Fähigkeit entwickeln will, da beim moderaten Segeln keine Regatta aufgegeben werden muss.


Was waren Deine Schwächen, während der letzten Vendée Globe und wie kannst Du diese in Stärken verwandeln? Ich kann daraus lernen wie viel Stress ich hatte und eine Technik entwickeln mit diesem Stress umzugehen. Weniger zu zweifeln, wenn ich eine Entscheidung fälle und diese Entscheidung beispielweise erst nach 6 Stunden zu evaluieren und nicht im selben Moment zu hinterfragen. Die Flaute macht einen verrückt, durch diese Situation mit großer mentaler Stärke durchzugehen ist die Herausforderung. Eine mögliche Stärke könnte sein, die Zweifel zu einer Art Zuversicht machen!


Wie geht es bei Dir und Team Malizia zukünftig weiter? Wir bauen eine neue IMOCA 60 mit dem französischen Designteam VPLP und der Multiplast Werft in Frankreich, um an Rennen auf höchstem Niveau teilzunehmen und gleichzeitig unsere Partnerschaft mit unseren neuen sieben Hauptpartnern zu präsentieren. Unser Ziel ist es, das Bewusstsein für die Krise des Klimawandels zu schärfen und die Nachhaltigkeitsplattform für unsere Partner zu sein, um Lösungen zu schaffen, um sie zu einer gemeinsamen Vision zu inspirieren und ehrgeizige Maßnahmen zu entwickeln.


Wir beobachten in der Imoca 60 Klasse einen Trend zu geschlossenen Cockpits wie auf Hugo Boss. Kannst Du uns verraten, wie das Cockpit bei Deinem Neubau aussieht wird? Das Cockpit ist wie beim letzten Boot geschlossen. Nun wird das Cockpit noch größer, dadurch ist es mir möglich im Cockpit auf meinem klappbaren Stuhl zu schlafen. So kann ich direkt neben der Winsch sitzen. Um noch effektiver zu arbeiten, kann ich durch das Fenster nach vorne die Segel und den Wind sehen. Aus dieser Idee heraus ist das Cockpit ziemlich groß geworden, was einen weiteren Vorteil zum Segeln mit der Mannschaft darstellt. Ich hoffe, dass es nicht zu groß ist, man nicht rumgewirbelt wird – wir müssen testen, wie wir damit klarkommen.


Im Dezember soll mit veränderter Route (langer Schlag durch den Southern Ocean Kapstadt – Itajaí) das Ocean Race starten. Bist Du mit Deinem Neubau und einem Team dabei? Ja, wir sind auf jeden Fall dabei. Die große Etappe wird spannend, da können wir das Schiff optimal testen. Genau für diese rauen See Bedingungen auf der Southern Ocean Etappe haben wir das Schiff konzipiert und die spezielle Rumpfform dafür gestaltet.


Kannst Du uns schon Einzelheiten zu Deinem Team verraten und ob Du persönlich alle Etappen segelst? Will Harris und ich sind gesetzt, jedoch werde ich eine Etappe aussetzen, aus Rücksicht auf die Familie. Welche Strecke das sein wird, steht noch nicht fest. Die Southern Ocean Etappe werde ich auf jeden Fall mitsegeln. Wir haben noch einen weiteren Mann, einen Franzosen im Blick und eine Frau. Dazu kann ich aktuell noch keine weiteren Informationen teilen. Darüber hinaus haben wir noch zwei Seglerinnen im Auge, mit denen wir gerne ein Team bilden würden. Das Team besteht dann aus sechs Seglerinnen und Seglern, die beiden weiteren fungieren als "Auswechselspieler", damit immer eine frische Vierertruppe bereitsteht. Wir haben sogar einen Onboard Reporter im Blick.


Was zeichnet die Kooperation mit der Firma Frisch Deiner Meinung nach aus? Was ich sehr schätze, ist die Vielfältigkeit der Ausrüstung, die sie haben, von Offshore-Kleidung über Trapeze bis hin zu Bootsersatzteilen... Was ich an Frisch am meisten mag, ist die familiäre Beziehung zwischen Ihnen und uns. Es ist immer schön, Hubertus (GF Firma Frisch) zu sehen, und das gute Verhältnis macht die ganze Kommunikation viel einfacher und angenehmer.

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