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  • Franziska Mäge

IM INTERVIEW - Tina Lutz & Susann Beucke

Von einer Familientradition zur Passion. Bereits die Eltern von Susann Beucke segelten, so wurde die 30-jährige an den Sport in der Heimat Kiel herangeführt. Tina Lutz ist 31 Jahre alt und wollte damals unbedingt gemeinsam mit ihrem Bruder an einem Opti-Schnuppertraining am Chiemsee teilnehmen. 2007 haben die beiden gemeinsam angefangen 29er zu segeln und sind nun schon 14 Jahre lang ein Team. Im Sommer haben sie ihren Traum vom Olympischen Edelmetall verwirklicht. Wir gratulieren Tina und Susann von ganzen Herzen zur Silbermedaille!


Copyright: DSV/ Lars Wehrmann

Wie erging es Euch auf dem Weg zu Olympia?

Susann: Nachdem wir bei zwei Olympiakampagnen scheiterten, wurden wir für verrückt erklärt, als wir uns entschieden haben es ein drittes Mal zu versuchen. Somit war der emotionalste Moment für uns als Team als wir endlich das langersehnte Olympiaticket in der Tasche hatten! Die Atmosphäre in Tokio war Corona bedingt weniger freudig, aber beim nach Hause kommen die Euphorie zu sehen, die unsere Silbermedaille ausgelöst hat, war unglaublich und auch für uns sehr emotional!

…ein Moment, den die beiden wahrscheinlich nie vergessen werden!


Woher nehmt Ihr die Kraft und Motivation nach Rückschlägen nach vorne zu blicken?

Susann: Indem man sich immer wieder bewusst macht, dass es im Endeffekt „nur“ Sport ist und wir das Privileg haben echt das coolste und schönste Leben zu führen, was man sich so vorstellen kann. Wir dürfen jeden Tag Sport machen, auf dem Wasser sein und jeden Rückschlag auch als Meilenstein auf dem Weg zu den Olympischen Spielen betrachten. Denn worauf es am Ende ankommt, sind die Spiele, die alle vier Jahre stattfinden und um am Ende auf dem Treppchen zu stehen, braucht man viele solcher Lerneinheiten.


Welche Tipps könnt Ihr jungen Seglerinnen und Seglern mit auf dem Weg geben?

Tina: Der wichtigste Tipp ist, dass man immer auf sein Bauchgefühl hören muss. Lasst Euch nicht von Vorschriften abhalten oder wie man etwas zu tun hat. Schlagt den Weg ein, an den ihr glaubt.

Susann: Wenn ich noch einmal von vorne anfangen müsste, hätte mir der Tipp geholfen, dass man immer sein Ding durchziehen muss und auf das hören muss, was einem gut tut. Es ist wichtig zu seiner Entscheidung zu stehen, auch wenn viele Personen, Trainer als auch Unterstützer, Einfluss nehmen wollen. Nicht zu vergessen: Jede, jede Menge trainieren.


Was sind Eure zukünftigen Ziele im Segeln?

Susann: Nach 14-jähriger Segelpartnerschaft ist es unvorstellbar nicht mehr miteinander in einem Boot zu sitzen. Die meisten gehen davon aus, dass wir aufhören, aber wir haben das eigentlich noch gar nicht entschieden... Klar ist nur, dass wir uns erst einmal Projekten widmen werden, für die wir in den letzten Jahren keine Zeit hatten.


Wie geht es denn dann bei Euch weiter?

Tina: Wir sind beide 30 und 31 und segeln schon unser ganzes Leben lang, deswegen wird es Zeit auch mal einen anderen Horizont zu erkunden, das heißt aber auch nicht, dass ich dem Segeln jetzt den Rücken zukehre. Ich steige in die Berufswelt abseits des Segelsports ein.


Wird man Dich nun öfter bei regionalen Regatten in der Heimat antreffen, wenn Du in das Berufsleben startest?

Tina: Ich denke man wird mich auf alle Fälle bei ein paar regionalen Regatten antreffen, aber ich versuche auch bewusst etwas Abstand vom Segeln zu nehmen. Ich möchte auf alle Fälle die Bundesliga mitsegeln, da wollten wir im Chiemsee Yacht Club mit einer reinen Frauenmannschaft an den Start gehen. Ich versuche auch der Jugend zuhause etwas mitzugeben. Im Herbst letzten Jahres war ich „Schirmherrin“ für die Opti-Deutsche Meisterschaft. Mir ist es wichtig, der Jugend ein Vorbild zu sein und zu zeigen, wie weit man kommen kann, wenn man das verfolgt, was einem Spaß macht.


Du wurdest 2005 Opti-Weltmeisterin. Seit wann bist Du im MUSTO-Team?

Tina: Seit meiner Optizeit bin ich Teil des MUSTO-Teams, ich schätze das war ungefähr 2000. Die Firma Frisch hat mich früh entdeckt... MUSTO war mein erster Sponsor und seither immer an meiner Seite, das würde ich schon etwas sehr Besonderes nennen. Vom Opti bis zu meiner Segelpartnerschaft mit Lisa Frisch im 420er hat sich die Beziehung zu MUSTO und der Firma Frisch zu einer familiären Beziehung entwickelt.


Was schätzt Ihr an der Marke?

Tina und Susann sind sich einig: MUSTO steht einfach ganz klar für Qualität. Die Kleidung wird immer aus hochwertigen Materialen und mit den neusten Technologien verarbeitet.


Welches Produkt würdet Ihr empfehlen?

Susann: Mein Lieblingsprodukt ist die Flexlite Alumin Hose. Die ist niemals zu warm oder zu kalt, somit trage ich die Neoprenhose fast bei jeder Trainingseinheit.

Tina: Mein Lieblingsteil ist der Flexlite Alumin Long John. Das Neopren ist super flexibel und trägt sich wie eine zweite Haut.


Susann, seit wann bist Du ein Teil des MUSTO Teams?

Susann: Seit dem Jahr 2006, da war ich gerade 15 Jahre alt. Schon bevor ich mit Tina gesegelt bin, hat MUSTO meine Schwester und mich im 29er unterstützt.


Wie ging es dann nach dem 29er weiter?

Susann: Nachdem meine Schwester das Segeln aufgehört hat, habe ich mit Tina angefangen 29er zu segeln. Wir haben schnell erkannt, dass wir gemeinsam zu den Olympischen Spielen wollen und sind dann über den 420er in den damals olympischen 470er umgestiegen.


Du hast dein Solo-Langstrecken-Debut beim Silverrudder und bist danach mit Morten die Baltic 500 gesegelt, was sind Deine Erfahrungen? Was fasziniert Dich am Langstreckensegeln?

Susann: Das Segeln auf der Langstrecke ist viel ursprünglicher und intensiver, man kann nicht einfach nach dem Segeln nach Hause gehen und sich entspannen – somit ist es eine ganz andere Belastung, deutlich geringer, aber stetig. Im Vergleich zur kurzen und sehr intensiven Belastung beim Olympischen Segeln. Ich mag es einfach super gerne draußen in der Natur zu sein, die ganze Zeit auf dem Wasser und auch improvisiert auf Probleme reagieren zu müssen. Rückblickend war das Silverruder single-handed sehr tough, vor allem bei der Jahreszeit im September, war es sehr kalt. Das Baltic 500 Rennen war ein bisschen länger, dafür waren wir zu zweit. Die Langstrecke war auch eine unheimlich schöne und intensive Erfahrung, die mir auf jeden Fall gezeigt hat, dass ich ins Offshore-Segeln vernarrt bin.


Wie geht es bei Dir weiter Susann?

Susann: Ich werde weiter im Hochseesegeln angreifen und nächstes Jahr werden wir entscheiden, ob Paris 2024 für uns aktuell ist. Eines steht fest, die WM und EM 2022 wollen wir auf alle Fälle mitsegeln – bis dahin machen wir aber etwas Pause vom 49erFX.

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